Pionierarbeit leistete die Feuerwehr Stockheim, als sie vor 50 Jahren die erste Jugendfeuerwehr im Altkreis Büdingen gründete. Für die nächsten Jahre war diese Jungen vorbehalten.

 

STOCKHEIM - (asl). Die Jugendfeuerwehr Stockheim war vor 50 Jahren die erste, die im Altkreis Büdingen ins Leben gerufen wurde. Immerhin: 98 Prozent der derzeitigen Einsatzkräfte waren bereits in der Nachwuchsabteilung aktiv, stellte Svenja Lettkemann, Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr Stockheim, fest. Auch sie genoss dort als Jugendliche die Ausbildung und die Vorbereitung auf die Einsatzabteilung. Fünf Jahrzehnte Stockheimer Jugendfeuerwehr – das war den Verantwortlichen Anlass genug, mit einem Kommers im Feuerwehrgerätehaus auf die Anfänge zurückzuschauen.
Den Anstoß zur Gründung habe ein junger Mann aus dem Odenwald gegeben, der Lehrling bei einem Stockheimer Landwirt war und von der Situation in seinem Ort berichtete, sagte Wehrführer Jürgen Kadoch. Der Vorstand der Stockheimer Wehr habe Informationen eingeholt und im Jahr 1969 im Saal der Geyer Herta den Beschluss zur Gründung der Jugendfeuerwehr gefasst, in der ausschließlich Jungen sein durften. Die theoretische Ausbildung hat in den Kellerräumen der Grundschule stattgefunden. Zeltlager wurden organisiert, 1972 wurden Sportwettbewerbe für den Nachwuchs eingeführt.
 
In den 1980er Jahren haben Mädchen Zugang zur Jugendfeuerwehr erhalten, führte Lettkemann den Rückblick fort. Allerdings hat Babette Diebitsch ihre Teilnahme noch bei den Gemeindegremien beantragen müssen. Doch ein Anfang war gemacht. Für das soziale Gefüge und die Gemeinschaft sind regelmäßig Fahrten zu Zeltlagern unternommen worden, 1988 erstmals mit Mädchen. Weil die Konkurrenz zu anderen Vereinen wuchs, wurde das Eintrittsalter für die Jugendwehr von zwölf auf zehn Jahre gesenkt. Auch die Strukturen änderten sich: Die Ausbildung erhielt einen höheren Stellenwert, ohne jedoch Spiel und Spaß zu opfern. René Scholz, aktueller Jugendwart, erinnerte an die Gründung der Feuerdrachen für Kinder im Grundschulalter im Jahr 2001. Er gehörte damals zu den Gründungsmitgliedern. 2012 hat erstmals eine reine Mädchenmannschaft an Feuerwehrwettbewerben teilgenommen. Der Berufsfeuerwehrtag alle zwei Jahre mit realitätsnahen Einsätzen ist dazu gekommen. In Spitzenjahren hat die Jugendwehr über 30 Mitglieder gezählt, heute sind es 23.
 
Denise Schmid, selbst bis 2015 in der Jugendwehr, erinnerte an viele Erlebnisse bei Wettbewerben wie auch gemeinsamen Reisen. Da ging es um unausgeschlafene Gruppenführer, Unwetter, vergessene Teilnehmer, um Schuhe, die beim Wettkampf verloren gingen, um einen angeblichen Frühstart, der keiner war, und um einen XXL-Kicker, der schmerzhafte Eindrücke hinterließ.
Bürgermeister Carsten Krätschmer und Gemeindebrandinspektor Sascha Geiss betonten den Wert der Jugendfeuerwehr, die für die Einsatzabteilung unverzichtbar sei. Gemeindejugendwart Thomas Zorn bezeichnete die Ausbildung, die Kameradschaft und das soziale Miteinander in der Jugendwehr als ein Gesamtpaket, das wesentlich für die Arbeit mit dem Nachwuchs sei. Tim Henrich, Jugendwart in der Freiwilligen Feuerwehr Glauberg, gratulierte zum Jubiläum. Seit fünf Jahren arbeite man im Nachwuchsbereich gemeinsam, um effizienter zu sein.
 
Annette Biehn hatte die einstigen Jugendwarte angesprochen und zum Kommers eingeladen. Sie würdigte deren Fähigkeiten, mit einer Gruppe pubertärer Jungen und Mädchen so gut zurechtzukommen. Entschuldigt hatten sich Karl Herth, Herbert Bär und Matthias Steitz. Sie wurden beim Gruppenfoto von Jugendlichen aus dem Nachwuchs vertreten. Bereits verstorben ist Wilhelm Sperling.
Den Kommers nutzte die Wehrführung zudem, um verdiente Feuerwehrkameraden zu ehren. Thomas Meißner erhielt das Goldene Brandschutzehrenzeichen am Bande für 40 Jahre Dienst. Robert Biehn, ebenfalls 40 Jahre in Diensten der Brandschützer, bekam die Anerkennungsprämie in Höhe von 1 000 Euro. Gleichzeitig verabschiedete Kadoch ihn aus der Einsatzabteilung. Eine Urkunde der Stockheimer Wehr gab es für Norbert Ganka, der bereits 50 Jahre Dienst in der Feuerwehr macht, einschließlich seiner Zeit in der Jugendwehr.
 
 
Quelle der Bilder: JF Stockheim